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Scirocco I

Entwicklungsschritte und Modellpflege

Ende der 1960er Jahre wurde im Volkswagenwerk ein Nachfolger für das seit 1955 produzierte Karmann-Ghia-Coupés ins Auge gefasst. Im Herbst 1971 beschloss die VW-Produktplanung, auf Basis des Entwicklungsauftrags EA 337, des ersten Golf ein preislich attraktives Coupé auf den Markt zu positionieren. Unter dem Kürzel EA 398 erhielt Karmann in Osnabrück den Auftrag zur Entwicklung des späteren Scirocco.

Dieser kam im Frühjahr 1974 mit drei Motoren, drei Ausstattungsvarianten und zehn Außenfarben auf den Markt: Motoren mit 1.100 cm³ (37 kW/50 PS) und 1.500 cm³ (51 oder 63 kW/70 oder 85 PS) Hubraum und den Ausstattungsvarianten N (Grundmodell), L, S und TS, die ab August 1976 GT hieß, aber gleich ausgestattet war.

Die Motoren, Reihenvierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und Tassenstößeln (bis 1.300 cm³ Schlepphebel), waren ihrer Zeit voraus. Die Nockenwelle wurde mit einem Zahnriemen angetrieben. Im Juni 1976 wurde das Motorenangebot um ein auf 1.600 cm³ vergrößertes Aggregat mit einer mechanischen K-Jetronic-Benzineinspritzung von Bosch erweitert. Wegen der höheren Leistung von 81 kW (110 PS) mussten Wasserkühler, Federung und Stoßdämpfer modifiziert werden und es waren zusätzliche Stabilisatoren, ein Ölkühler, innenbelüftete vordere Scheibenbremsen, breitere Felgen und Reifen mit höherem Geschwindigkeitsindex erforderlich. Dieser K-Jetronic-Einspritzmotor wurde (ohne separaten Ölkühler) zuerst 1975 im Audi 80 GTE verwendet. Es folgte 1976 der Scirocco GTI, während der VW Golf GTI mit dem gleichen Motor erst ab dem Frühjahr 1977 in ausreichender Stückzahl ausgeliefert werden konnte.

Bis August 1975 waren alle Scirocco mit zwei vorderen Wischern ausgestattet; danach hatten die Wagen nur noch den großen Einarmwischer.

Ab Mitte 1977 wurden für das Modelljahr 1978 sowohl das Fahrwerk als auch das Erscheinungsbild überarbeitet. Die nun aus schwarzen Kunststoff bestehenden Stoßstangen waren um die Ecken herumgezogen, die vergrößerten vorderen Blinker waren von der Seite besser zu erkennen, die B-Säulen waren schwarz eingefärbt und der Kühlergrill erhielt einen Zierrahmen. Die Aufhängungen der Federbeine wurden verstärkt sowie Lenkung und Motorlagerung optimiert. Die Motorpalette umfasste nun den 37-kW-, den 51-kW- und den 81-kW-Motor. Nachfolgend wurde eine regelmäßige Modellpflege betrieben, sowohl bei der Innenausstattung als auch der technischen Ebene (Motoren mit 1,3/1,6 Litern Hubraum, Fünfganggetriebe bzw. 4+E, Elektronische Zündanlagen).

Im Herbst 1980 folgten die Sondermodelle CL und SL.

Von Februar 1974 bis Februar 1981 liefen bei Karmann in Osnabrück insgesamt 504.153 Scirocco der ersten Serie vom Band.

Absatzentwicklung

Nach einer Pressevorstellung in Wolfsburg wurde der VW Scirocco im März 1974 auf dem Genfer Auto-Salon ausgestellt. Ab Mitte April 1974 erschienen vier verschiedene Anzeigenmotive unter dem Slogan „Scirocco. Ein Sportcoupé in Bestform“ in der Presse. Damit war er dem VW Golf I um zwei Monate voraus, da dieser erst im Juni 1974 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im ersten Verkaufsjahr konnten 24.555 Sciroccos abgesetzt werden, gefolgt von 58.942 im Jahr 1975 – 6.000 mehr als geplant. 1977 und 1978 fanden pro Jahr über 87.000 Wagen einen Käufer; eine Zahl, die später nicht wieder erreicht wurde.

In Großbritannien, wo der Scirocco infolge hoher Verkaufspreise in den 1970er-Jahren eher selten zu finden war, erhielt er die Bezeichnung Scirocco MkI (Mark One). Das Sondermodell „Storm“ war vergleichbar mit dem GTI-Modell „limited edition“ mit Lederausstattung und ist heute dort ein begehrtes Sammlerstück.

Serienmodelle

  • Scirocco (N) - Grundmodell mit 1,1/1,3-Liter-Motor
  • Scirocco L/GL (bessere Ausstattungen)
  • Scirocco S/LS (beide mit 70/75-PS-Motor)
  • Scirocco TS (85 PS, nur bis Juli 1976)
  • Scirocco GT (ab August 1976)
  • Scirocco GLi/GTi (110-PS-Motor)
  • Scirocco CL (Sondermodell)
  • Scirocco SL (Sondermodell)
  • Scirocco Turbo (Versuchsträger; s.u.)

Die Buchstaben L, T, GL und GT beziehen sich auf die Ausstattung, S und i auf die Motorleistung, wobei das „i" den 81 kW/110 PS-Motor mit K-Jetronic-Benzineinspritzung kennzeichnet.

Die L-Ausstattung beinhaltete u.a.: silberfarbener Instrumenteneinsatz (statt schwarz), regelbare Instrumentenbeleuchtung, Tageskilometerzähler, Zigarrenanzünder, Make-up-Spiegel in Beifahrersonnenblende, Beleuchtung von Ascher und Heizungshebel, umschäumtes Lenkrad, Scheibenwischer-Intervallschaltung, Ablagen auf dem Mitteltunnel und der Beifahrerseite, Teppichboden, Gepäckraumleuchte, abschließbarer Tankdeckel

Die GL/GLi- und GT/GTi-Modelle waren äußerlich an den Zierleisten auf der Gürtellinie, dem vorderen Spoiler und den Halogen-H1-Doppelscheinwerfern zu erkennen (Grund- und L-Modell hatten Breitbandscheinwerfer - serienmäßig ohne H4-Halogenlicht). Ferner: Doppeltonhorn, Sportlenkrad, Drehzahlmesser, Mittelkonsole mit Uhr und Öltemperaturanzeige, GL/GLi waren serienmäßig mit getönten Scheiben, Teppicheinlagen in den Türverkleidungen und höhenverstellbaren Vordersitze mit besonderen Sitzbezügen („Genuacord“) ausgestattet. GT/GTi hatten „Schottenkaro“-Bezüge.

Sondermodelle

In einer Kleinauflage von 52 Stück wurde der Scirocco I von der Firma Artz auch als Kombi angeboten (Sciwago). Es gibt viele Umbauten vom T-Dach; Flügeltürer bis zum Pick-up auf Basis von beiden Scirocco-Generationen.

Bereits vor dem Produktionsstart des VW-Golf-1-Cabriolets im Jahr 1979 gab es einige Cabriolet-Varianten des Scirocco 1. Diese wurden in Kleinserie produziert, wie zum Beispiel der Tempest von Wolfe Garage (Westerham, UK) oder der Artz Speedster vom Autohaus Nordstadt in Hannover. Ein Markterfolg blieb diesen Exoten angesichts des Golf Cabrio (wegen seines Überrollbügels „Erdbeerkörbchen“ genannt) aber verwehrt. Im Zuge des beginnenden Tuningbooms Ende der 1980er-Jahre wurde die Idee eines Scirocco-Cabriolets erneut aufgegriffen. Im Editorial der Ausgabe 04/1989 der Scirocco Zeitung wird auf die Cabrio-Umbauten der Firma Zander Exclusiv Tuning in Darmstadt sowie der Firma Luley hingewiesen. In der Ausgabe 02/1994 wird der Cabrio-Umbau der Firma Koch Tuning aus Philippsburg vorgestellt. Die meisten Scirocco-1-Cabriolets dürften aber in Eigenregie auf Basis einer der Umbausätze der Firmen Cabrio-Design Ostermann-Germer aus Overath oder Bieber Cabrio aus Borken entstanden sein. Dementsprechend gibt es auch keine zuverlässigen Daten über die Anzahl der jemals gebauten Scirocco-Cabriolets, noch darüber, wie viele bis heute erhalten geblieben sind.

1978 hatte Volkswagen eine Sonderserie des Coupés mit Turbolader für den Export nach Übersee geplant. Dessen Motor trug die Kennung EL und leistete 90 kW. Die ersten Prototypen des Scirocco-Sondermodells wurden 1979 bei Karmann (Osnabrück) gefertigt, jedoch gab es gravierende technische Probleme bei ersten Testläufen und der Wagen ging nie in Serienproduktion, die ursprünglich auf eine Stückzahl von 2.000 festgelegt worden war. Ein Modell der Testserie wurde jedoch nicht verschrottet und befindet sich heute in Privatbesitz.

Motoren

Der Scirocco wurde ausschließlich mit 4-Zylinder-Motoren ausgestattet.

  • 1,1 Liter Hubraum, 37 kW/50 PS
  • 1,3 Liter Hubraum, 44 kW/60 PS
  • 1,5 Liter Hubraum, 51 kW/70 PS
  • 1,5 Liter Hubraum, 63 kW/85 PS
  • 1,6 Liter Hubraum, 55 kW/75 PS (ab August 1975)
  • 1,6 Liter Hubraum, 63 kW/85 PS (ab August 1975)
  • 1,6 Liter Hubraum, 81 kW/110 PS (ab Juli 1976)

Quelle: Wikipedia